16.03.2026 | Frank Stühler
Leistungskurse der Goetheschule feiern die Musik
Über 700 begeisterte Gäste erleben zwei LK-Konzerte
“Thank you for the music” hieß es nach zwei Stunden außergewöhnlichem Konzerterlebnis an der Goetheschule. Doch der eigentliche Dank gebührte den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften der Musikleistungskurse an Wetzlars Oberstufengymnasium. Die hatten vergangenen Mittwoch und Donnerstag in die Aula der Schule zu ihren jährlichen LK-Konzerten eingeladen und es einmal mehr geschafft die über 700 Gäste an zwei ausverkauften Abenden zu unterhalten, zu überraschen und zu begeistern.
Der Titel der diesjährigen Konzerte – wie Kenner sofort verstanden – bezog sich natürlich auf das abschließende gemeinsame Gesangsmedley beider LKs, das diesmal aus ABBA
-Hits bestand. Doch Leonard Nitz und Bruno Schaub, die den Abend moderierten, gaben dem Motto noch eine tiefere Bedeutung: Musik sei für die Schülerinnen und Schüler der Musik-Leistungskurse ein Teil ihrer Persönlichkeit und ein Weg, diese auszudrücken. Und dafür seien sie dankbar.
Wie sehr das zutraf, das zeigten alle Akteure auf der Bühne insbesondere immer dann eindrucksvoll, wenn sie ihre eigenen Kreativideen in die Stücke einbrachten. Beeindruckend demonstrierten das etwa Hauke Lackner und Daniel Bähr mit ihrem Klassik-Medley, das sie in mühevoller Detailarbeit erarbeitet und einstudiert hatten. Gemeinsam an einem Flügel trugen sie bekannte Werke von Mozart bis Dvorak, von Bach bis Beethoven vor – und dies nicht etwa eins nach dem anderen, sondern mehrere Stücke gleichzeitig. Mitunter spielten die beiden Pianisten sogar unterschiedliche Stücke mit der linken und der rechten Hand, alles so perfekt aufeinander abgestimmt, dass sich daraus ein harmonisches Gesamtwerk ergab. Als Bonus konnte das Publikum auf der Saal-Leinwand mitverfolgen, welcher der beiden Pianisten gerade welche Klassiker spielte.
Ihre Kreativität zeigten die LKs aber auch im sprachlichen Bereich. So hatten sie Billy Joels 80er-Jahre-Hit „We didn’t start the fire“ in eine „Goethe-Version“ umgetextet. In dieser erfuhr das Publikum einiges über die Probleme der Goetheschülerinnen und -schüler – etwa hinsichtlich des morgendlichen Zuspätkommens oder der Kriterien der Leistungskurs-Wahl. Viele der im Publikum anwesenden Mitglieder der Schulgemeinde quittierten das mit verständnisvollem Nicken.
Dass solche musikalischen Glanzleistungen immer wieder möglich gemacht werden, das ist vor allem dem Engagement der Lehrkräfte Irene Bauer-Weitz und Christian Stöhr zu verdanken. Jedes Jahr aufs Neue gehen sie die Herausforderung der LK-Konzerte mit großem Engagement und Idealismus an und verwenden einen nicht unerheblichen Teil ihrer außerschulischen Zeit auf die Vorbereitungen, damit sich die Schülerinnen und Schüler bei den Konzerten schließlich in ihrer Bestform präsentieren können. Dazu gehört auch jedes Jahr aufs Neue die besonderen Talente und Vorlieben der jeweiligen Kurse zu entdecken und in entsprechende Vorträge umzusetzen – wozu die jungen Musikerinnen und Musiker natürlich auch ihre eigenen Ideen beisteuern.
Und gerade das ist es, was die LK-Konzerte jedes Jahr anders und überraschend macht. So war in diesem Jahr der Anteil qualitativ hochwertiger „klassischer“ Vorträge höher als in den vergangenen Jahren. Präsentiert wurden diese etwa von Maxim Schneider, der Franz Liszts „Liebestraum Nr. 3 in As-Dur“ virtuos vortrug, oder von Erik Muradjan, der am Saxophon Pedro Iturraldes „Pequena Czarda“ darbot und dabei von Fabian Kislich am Klavier begleitet wurde. Annica Loh an der Geige präsentierte den ersten Satz aus Vivaldis Concerto g-Moll op. 8, Nr. 2 „Sommer“.
Die Bandbreite der weiteren Beiträge reichte von A-Capella-Stücken über Filmmusik bis zu vollinstrumentierten Rocksongs, oder um es mit den Worten von Schulleiterin Annette Kerkemeyer zu sagen, „von leisen, emotionalen Stücken bis zu feurigen Rhythmen.“ Kerkemeyer betonte auch die Leidenschaft und Energie, welche die Schülerinnen und Schüler in jedes Stück legten. Und tatsächlich war es auch und gerade das Zusammenspiel aller Beteiligten in immer neuen Kombinationen – egal ob gesanglich, an Schlagzeug, Gitarre, Bass oder Keyboard – das dem Konzert seine besondere Note gab. Nicht wenige bewiesen sich dabei gleich als Multinstrumentalisten und präsentierten selbst Songs im 11/8-Takt mit scheinbarer Leichtigkeit. Ein besonderer Dank galt dabei Hauke Lackner, der das Arrangement für viele der Stücke erarbeitet hatte.
Und so blieben trotz aller Abwechslung nach zwei Stunden manche Dinge doch wie gewohnt: Das abschließende Chor-Medley, die Rufe nach Zugabe, die stehenden Ovationen – und die Vorfreude aufs nächste Jahr, wenn die Musik-Leistungskurse der Goetheschule erneut zu ihren LK-Konzerten einladen um gemeinsam mit ihrem Publikum die Musik zu feiern.



