26.06.2026 | Frank Stühler
Abiturjahrgang 2026 startet bestens vorbereitet in neuen Lebensabschnitt
„Sie sind nicht ihre Note!“ Diesen Satz gab Schulleiterin Annette Kerkemeyer den Abiturientinnen und Abiturienten des Jahrgangs 2026 bei deren Verabschiedung in der Aula der Goetheschule am vergangenen Dienstag und Mittwoch mit auf den Weg. In der Aula der Schule erhielten die diesjährigen Absolventinnen und Absolventen in zwei individuell gestalteten Feierstunden ihre Abschlusszeugnisse aus den Händen der Schulleiterin. Diese betonte in ihrer Festrede, dass Menschen vielschichtig und einzigartig seien, so dass man sie nicht über eine Abiturnote identifizieren könne und sagte: „Ganz egal, ob sie ihr Abitur mit 1,0 oder 3,6 bestanden haben: Jede und jeder einzelne von Ihnen kann stolz auf sich sein und auf das, was Sie erreicht haben.“
Ganz ohne Zahlen ging es dann allerdings doch nicht. So informierte die Schulleiterin, dass der Abiturnotendurchschnitt an der Goetheschule in diesem Jahr bei 2,33 und damit gut ein Zehntel besser als im vergangenen war. Für Simon Haschke, Finja Schnorr, Hauke Lackner, Charlotte Hardt und Chiara Rödig verlief das Abitur dabei besonders erfolgreich: Sie alle schafften die Bestnote 1,0. Besondere Anerkennung für diese Leistung erhielt stellvertretend Charlotte Hardt durch Dr. Werner Diesendorf von der „Freimaurerloge Wilhelm zu den drei Helmen“. Die Loge verbindet eine lange Tradition mit der Goetheschule. Eine Auszeichnung für sein besonderes ehrenamtliches Engagement in und außerhalb der Schule erhielt Hauke Lackner durch den Lions-Clubs Wetzlar-Solms, vertreten durch Dr. Wolfgang Bunk. Bruno Taverne von der Deutsch-Französischen Gesellschaft Wetzlar überreichte einen Buchpreis an die besten Abiturientinnen im Fach Französisch.
Schulleiterin Annette Kerkemeyer erwähnte auch all diejenigen, die zum Erfolg der Abgehenden beigetragen haben – zu allererst deren Eltern, bei denen erst langsam ins Bewusstsein sickere, dass ihre Kinder nun junge Erwachsene und zum letzten Mal offiziell Schülerinnen und Schüler seien. Der Dank der Schulleiterin galt aber auch dem Schulleitungsteam, den Tutorinnen und Tutoren und alldenjenigen, die zur erfolgreichen Umsetzung der mündlichen Prüfungen beigetragen hatten, die erst wenige Tage zuvor endeten. Sie warf einen Blick zurück auf prägende Ereignisse der vergangenen drei Schuljahre – Sponsorenlauf, Projekttage, Neujahrsempfang, Studienfahrt, Mottowoche oder Abigag – und sagte, dass es gerade solche Ereignisse und Begegnungen seien, die die Goetheschule zu mehr als einer reinen „Lehranstalt“ machten.
Auch Schulsprecher Henri Sahner blickte auf drei Jahre Goetheschule zurück und sagte dabei, die wichtigsten Lektionen hätten oft nicht im Lehrplan gestanden. Schülerinnen und Schüler hätten gelernt Verantwortung zu übernehmen, gemeinsam Probleme zu lösen und auch in schwierigen Situationen nicht aufzugeben. Sie alle hätten an der Goetheschule eine exzellente Vorbereitung erhalten und dabei auch erfahren, „dass man manchmal mehr über das Leben in einer Freistunde erfährt, als in mancher Unterrichtsstunde.“
Den regelmäßig wiederkehrenden Vorwurf, dass an Schulen die falschen Dinge gelehrt würden, hatte Schulleiterin Annette Kerkemeyer in ihrer Rede aufgegriffen. Seit Jahren sehe sich Schule mit Forderungen nach neuen Fächern wie Glück, mentale Gesundheit oder Finanzen konfrontiert. Da stelle sich die Frage danach, welchen Zweck und Nutzen Bildung überhaupt habe. Schließlich könnten bei aller Anpassung drei Jahre Oberstufe niemals auf 40 Jahre Berufsleben vorbereiten, umso weniger in Anbetracht der Tatsache, dass man heute noch nicht absehen könne, welche Berufe es in zehn Jahren gebe.
Kerkemeyer kam daher zu dem Schluss, Bildung sei das, was die Gesellschaft und den Menschen an sich in Frage stelle. Die Beschäftigung mit Inhalten, die man sich nicht selbst ausgesucht habe sei deshalb wichtig, weil man sonst „im eigenen Saft schmore“. Konfrontation mit Unbekanntem sei bedeutsam, um zu verstehen, dass die Welt nicht nur aus einem selbst, der eigenen Wahrnehmung und der Perspektive der eigenen Interessensgruppe besteht. Nur Bildung versetze in die Lage „moralisch reflektiert und fundiert zu urteilen“. Den Abiturientinnen und Abiturienten sagte sie deshalb: „Sie alle hatten das Glück eine umfassende Bildung genießen zu dürfen. Sie haben Instrumentarien an der Hand, mit denen Sie zukünftige Schwierigkeiten bewältigen können. Sie haben viel gelernt und sind gut vorbereitet.“
Schulsprecher Henri Sahner dankte allen Angehörigen, die oftmals die größten Unterstützer dabei gewesen seien, dies zu erreichen. Deshalb gehöre der Erfolg des bestandenen Abiturs auch ihnen. Gute Wünsche für die Zukunft gab Schulelternbeirat Dr. Thomas Becks mit auf den Weg. Er wies die Abiturientinnen und Abiturienten angesichts rasanter Entwicklung darauf hin, dass sie die Generation seien, die für Wandel steht. Er rief sie daher dazu auf, offen für Veränderung zu sein und sie aktiv einzufordern. „Gehen Sie los und haben Sie keine Angst vor der Zukunft. Das Rüstzeug dafür haben Sie von der Schule bekommen“, sagte Becks.
Dass eine Abiturfeier durchaus ein emotionales Ereignis ist, das wurde in der Rede des Schulsprechers deutlich. Henri Sahner ging darauf ein, dass nun ein neuer Lebensabschnitt beginne und sich viele Wege, die jahrelang parallel verlaufen seien, trennen – was ihm persönlich sehr schwer falle. Er betonte aber: „Egal, wohin uns unser Weg führt: Die Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit an der Goetheschule wird bleiben. Die Menschen, die wir hier kennengelernt haben, die Erfahrungen, die wir gesammelt haben, und die Herausforderungen, die wir gemeinsam gemeistert haben, werden uns auch in Zukunft begleiten.“




