13.03.2026 | Julia Velten

Knifflige Wörter und starke Nerven – Diktattradition an der Goetheschule lebt weiter

Stille, konzentrierte Gesichter – und dann ein leises Raunen: Beim Diktatwettbewerb „Deutschland schreibt“ stellten sich heute alle Schülerinnen und Schüler der Einführungsphase der Goetheschule Wetzlar einer besonderen Herausforderung. In der Aula der Schule rauchten die Köpfe, als ein anspruchsvoller Text vorgelesen wurde, der selbst geübte Rechtschreibprofis ins Grübeln brachte.

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Frau Andrea Rolshausen-Bardi die Vorgehensweise, den genauen Ablauf sowie die Kriterien für die spätere Korrektur vor. So wussten alle Teilnehmenden genau, worauf es ankommt und wie die Bewertung erfolgen würde, bevor es schließlich ernst wurde.

Vorgetragen wurde das Diktat von Julia Velten, die mit ruhiger Stimme, aber ohne Nachsicht, Wort für Wort diktierte. Bereits beim ersten Zuhören war spürbar: Dieser Text hatte es in sich. Er handelte von „No-Gos“ im „Dreier-WG“-Leben mit „Pommes-frites-Resten“ und „Mief aus dem Siphon“. So wurde deutlich, dass hier höchste Konzentration gefragt war. Fremdwörter, knifflige Schreibweisen und ungewohnte Begriffe reihten sich aneinander – ein fehlerfreies Ergebnis schien kaum möglich.

Trotz des hohen Schwierigkeitsgrades war die Stimmung durchweg positiv – vielen Schülerinnen und Schülern bereitete die Herausforderung sichtlich Spaß. Nachdem alle ihre Texte vorkorrigiert hatten, nutzten die Teilnehmenden eine kurze Pause, um sich in kleinen Grüppchen lebhaft über das gerade Gehörte auszutauschen und über die ein oder andere schwierige Stelle zu diskutieren. Währenddessen korrigierten die Schülerinnen und Schüler der Deutsch-Leistungskurse die zehn besten Diktate noch einmal sorgfältig, um die endgültigen Platzierungen zu ermitteln.

Am Ende setzte sich Finn Flato gegen seine Mitschülerinnen und Mitschüler durch und sicherte sich den ersten Platz. Zweiter wurde Felix Eckel. Den dritten Platz teilten sich Luise Bär und Hannah Bartoschek, die beide ebenfalls mit sehr guten Leistungen überzeugten.

Bei der anschließenden Siegerehrung erhielten die Gewinner Gutscheine der Buchhandlung Thalia sowie attraktive Sachpreise.

Auch wenn der bundesweite Wettbewerb „Deutschland schreibt“ von der Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung nicht weitergeführt wird und somit offiziell nicht mehr besteht, bleibt die Tradition an der Goetheschule lebendig. Selbst ohne die frühere Unterstützung der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main hält die Schule an dem bewährten Format fest und setzt damit ein Zeichen für die Bedeutung der deutschen Rechtschreibung.

Der Wettbewerb zeigte einmal mehr, dass Rechtschreibung weit mehr ist als das bloße Beherrschen von Regeln: Sie erfordert Aufmerksamkeit, Sprachgefühl und starke Nerven – und kann gleichzeitig ein Gemeinschaftserlebnis sein, das allen Beteiligten in guter Erinnerung bleibt.