25.09.2026 | Frank Stühler

Teilnehmer der Startup Academy zu Gast bei Kultusminister Schwarz

Es ist ein besonderer Moment, wenn aus einer Idee ein Prototyp wird. Noch besonderer ist es, wenn diese Idee den Weg bis in ein Ministerium findet. Für vier Schülerteams aus Wetzlar und Herborn wurde genau das Realität: Die Teilnehmer der Startup Academy an der Goetheschule waren im Kultusministerium in Wiesbaden zu Gast, präsentierten ihre Projekte und diskutierten mit politischen Entscheidungsträgern.

Die Einladung kam, nachdem das Ministerium von der Arbeit der Startup Academy erfahren hatte, die 2022 von Volker Michel ins Leben gerufen wurde. Die Idee hinter dem Projekt ist es, Schülerinnen und Schülern der Goetheschule dabei zu helfen, Startup-Ideen zu entwerfen und diese gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft zu vertiefen und weiterzuentwickeln. Dabei leistet sie auch einen Beitrag zur beruflichen Orientierung und bietet darüber hinaus eine Plattform für eine enge Verbindung der Goetheschülerinnen und -schüler zu regionalen Partnern. Und nicht zuletzt vermittelt sie den Teilnehmern und Teilnehmerinnen, welchen Spaß es machen kann, eigene Ideen in die Tat umzusetzen. Wie dies gelingt und inwiefern das Projekt auch Potenzial für andere Schulen bietet, darüber wollte Minister Armin Schwarz sich bei den Beteiligten persönlich informieren.

Zur Delegation, die nun aus dem Lahn-Dill-Kreis nach Wiesbaden reiste, gehörten zum einen die Mitgliedern der Schüler-Teams „Youth Works“ (Lauri Hartmann, Basil Droste und Max Gilbert), „Chronos“ (Moritz Happe) und „Swemti“ (Negin Tayefeh) von der Goetheschule. Verstärkt wurden sie durch das Team „Edugate“ (Johannes Meis, Bastian Kölsch und Leonard Cramatte) vom Johanneum Gymnasium Herborn, das in diesem Jahr an der Abschlussveranstaltung der Wetzlarer Startup Academy – Goethes Gründerpreis – teilgenommen hatte. Begleitet wurden die Schülerinnen und Schüler von den Organisatoren der Startup Academy, Volker Michel und Frank Schleiter, sowie Annette Kerkemeyer, Schulleiterin der Goetheschule. Jan Moos und Nico Reh vertraten das Johanneum.

Kultusminister Schwarz begrüßte die Gäste und gab zunächst einen Überblick über die Maßnahmen, die im Bereich der beruflichen Orientierung bereits umgesetzt wurden. Anschließend stellte Volker Michel die bisherige Entwicklung der Schülerakademie vor. Dabei verwies er auch darauf, dass die Zahl der Neugründungen von 2002 bis 2025 um mehr als 50 Prozent zurückgegangen sei und erwähnte gleichzeitig die Erfolge, die die Teilnehmer der Startup Academy seit deren Bestehen erreicht haben.

Von der produktiven Arbeit der jungen Gründer konnte sich Minister Schwarz vor Ort überzeugen: Drei der vier Teams waren mit Prototypen angereist – ein deutliches Zeichen dafür, dass es bei dem Projekt nicht nur um theoretische Überlegungen geht. Im Gegenteil, so betonte Volker Michel: Alle Teams seien „ready to launch!“

Jedes Team hatte dann drei Minuten Zeit, seine Idee vorzustellen, um sich im Anschluss prüfenden Fragen zu stellen. Lauri Hartmann, Basil Droste und Max Gilbert stellten unter dem Namen „Youth Works“ eine Plattform vor, die Schülerinnen und Studenten bei der Suche nach Mini-Jobs unterstützen soll. Unter dem Titel „Chronos“ präsentierte Moritz Happe eine „All-in-one-App“, zur Organisation von Schule, Beruf und Alltag. „Swemti“ nannte Negin Tayefeh ihre Idee eines KI-gestützten Schwimmtrainers, der mittels App, Schwimmbrille und Armbändern Fehler analysieren und ambitionierten Schwimmerinnen beim Verbessern ihrer Leistung helfen soll. Bastian Kölsch, Johannes Meis und Leonard Cramatte vom Johanneum zeigten mit „Edugate“ ein Keycardsystem, das Vandalismus etwa auf Schultoiletten verhindern könnte.

In der folgenden Diskussion ging es vor allem darum, ob und wie sich das Konzept der Startup Academy auf andere Schulen und Regionen übertragen lässt. Rund eine halbe Stunde lang diskutierten die Beteiligten darüber, welche Erfahrungen gemacht wurden, welche Bedingungen für erfolgreiche Projekte notwendig sind und welche Rolle Schulen, regionale Partner und politische Institutionen dabei spielen können. Dabei wurden die Schulleitungsmitglieder ebenso wie die Teilnehmer nach ihren Einschätzungen und Meinungen befragt.

Im Gespräch erklärte auch Schulleiterin Annette Kerkemeyer den Stellenwert der Startup Academy: „Nicht immer gelingt, was man sich vorgenommen hat, Rückmeldungen aus der Jury sind manchmal nicht so leicht zu verarbeiten.“ Wichtig sei es daher, das Feedback nicht als Scheitern oder Versagen wahrzunehmen, sondern die jeweiligen Herausforderungen anzunehmen und mit unvermindertem Mut und Elan einen neuen Anlauf zu nehmen. Eine solche Resilienz zu entwickeln sei wichtig, um das Leben an sich zu meistern.

Mit vielen neuen Eindrücken und Kontakten trat die Delegation dann die Heimreise an. Das Fazit des Besuchs fiel dabei durchweg positiv aus. „Besonders beeindruckt hat mich, dass wir ernst genommen wurden und dass wirklich nachgefragt wurde“, berichtete etwa Bastian Kölsch vom Team Edugate. „Das hat uns gezeigt, dass unser Projekt tatsächlich relevant ist.“  Das Projekt vor dem Minister vorzustellen, sei definitiv aufregend gewesen sagte er. „Gleichzeitig war es ein tolles Gefühl, unsere eigene Idee auf einer so hohen politischen Ebene präsentieren zu dürfen.“

Für die Schülerinnen und Schüler war die Veranstaltung jedoch kein Abschluss, sondern ein weiterer Schritt in ihrer Entwicklung. Alle Teams arbeiten weiter an ihren Ideen. Das Team Edugate hatte bereits einen Termin beim Landrat des Lahn-Dill-Kreises und hofft, das Johanneum Gymnasium mit seiner Entwicklung auszustatten. Auch die Macher der Jobplattform „Youth Works“ haben bereits erste Firmen gewinnen können, die Mitarbeiter suchen.